20.03.2013

Nächte der Montanstadt - # 1 Vulkankiosk

Es sitzen zwei Männer auf Barhockern an der hölzernen Hochtheke vor dem Fenster. Sie rauchen. Zigaretten. Ein weiterer steht und raucht ebenfalls. Sie schauen abwechselnd auf ihr Mobiltelefon und zum Fenster heraus. Die romantisierte pseudo-gotische Jugendstilfassade an der Gebäudefront können sie nicht sehen. Im Hintergrund strengt sich der Lokalradiosender an, dem Bühnenbild einen partytauglichen Glanz zu verleihen. Er ist nur mäßig erfolgreich. Die Arbeit übernehmen dann auch die Neonlampen an der Decke. Hinter der Kasse, man kann auch mit EC-Karte bezahlen, an der rot gestrichenen Wand, stehen auf einfachen weißen Regalbrettern ganze Armeen von diversen Spirituosen Spalier. Ich zähle fünfzehn verschiedene Vodkasorten und denke mir, dass selbst Dan Aykroyd niemals so viel von dem Zeug saufen könnte - andererseits könnte es seinen letzten Urlaub auf E.T.'s beschissenem, 30 oder 3000000 Jahre alten Raumschiff erklären. Zigaretten gibt es hier übrigens nur aus dem Automaten.
Wir gehen, nachdem wir von dem überaus freundlichen Besitzer, sein Gesicht ist vernarbt, zwei Flaschenbiere gekauft haben, an den zahlreichen Spielautomaten und einem fein gekleideten Herrn vorbei in einen holzgetäfelten Hinterraum, in dem eine kleine illustre Gesellschaft um einen mit roter Baumwolltischdecke bedeckten Tisch sitzt. Der Mann hat ein Jutesäckchen, gleich eines kleinen Kartoffelsacks vor sich liegen in dem sich, dem Geräusch nach, eine fantastische Menge Geldmünzen befindet. Er holt Münzen heraus, stapelt sie fein säuberlich zu kleinen Häufchen vor sich auf und lässt sich dabei nicht stören. Eine Frau sitzt am oberen Ende des Tisches in der Ecke der Sitzecke und schaut ihm bei der Tätigkeit zu. Sie wird zwanzig Minuten später einen Teil des Geldes in einen der Spielautomaten werfen - sie spielt am liebsten Bingo. Ihre Strategie ist es, die Zahlen Eins bis Zehn auszuwählen und auf ihr Glück zu hoffen. Heute Abend sucht es sie anscheinend nicht auf.
Das ganze Geschäft schwelgt in einer seltsamen Stimmung zwischen Ruhrpottbordell und mexikanischem Waschsalon. Menschen kommen, Menschen gehen. Zumeist Männer. Ich bestelle beim Besitzer, er erscheint mir äußerst feminin, noch zwei Bier und bezahle mit einem Fünfziger. Das kann er nicht wechseln, sagt er. Er spricht einen der Männer, etwa 35 Jahre alt, kurze Haare, von bulliger Statur, die vor dem Fenster an der Hochtheke sitzen an und dieser holt aus seiner Hosentasche ein loses Bündel Zehner heraus und übergibt fünf davon dem Wirt. Prima, jetzt habe ich mein Wechselgeld. Ich rufe meinen Begleiter aus dem Hinterzimmer und wir spielen gemeinsam an einem der Spielautomaten Roulette. Welch Ironie, ein Spiel das normalerweise in sündhaft teuren Casinos, von sündhaft teuer operierten Menschen gespielt wird hier zu spielen. Aber es passt. Über dem Automaten ist ein Wandtattoo angebracht - es zeigt eine Flasche Champagner die feinperlig ihr Innerstes erbricht. Es passt.

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11.03.2013

Die Welt in den Arme(e)n des großen Führers

Nun sind schon fast 20 Jahre seit dem Tod des "großen Führers" Kim Il Sung vergangen.
So langsam könnten die Pyöngyangwood Studios einmal darüber nachdenken ein anderes als dieses generische "mission accomplished"-Jubelgeräusch im Hintergrund ihrer stalinesquen Seifenopern namens Nachrichten zu installieren.
Das ist schon inflationärer als die nordkoreanische Wirtschaft und erweckt den Eindruck als würden wir uns tatsächlich dafür interessieren.
Kim-kim-kim-jong un!
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01.03.2013

Croco Doc

I love it <3

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The Croc n Roo Show


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Whiteout

Auf diese leeren Seiten starren macht schon ziemlich hungrig. Hunger auf mehr. Konsumieren ist prinzipiell eine gute Technik um ungewollte Tätigkeiten auf die Auswechselbank zu schicken.
Das Antiquitäten-Kabinett um mich herum gewinnt deutlich an Staub.
Eine reiche Staubproduktion muss irgendwo in Gang gesetzt worden sein... wo kommen diese ganzen Flusen, Krümel, Reste von Insektenpanzern und Haare eigentlich her? Ich bin mir sicher, dass all diese Produkte irgendwo hier im Zimmer produziert werden. Hinter dem Schuhschrank vielleicht, ist eine kleine Fabrik die den Trödel im Akkord herstellt. Laufend läuft das Band, überschlagt sich nie und füllt das Zimmer kontinuierlich mit diesen Abfallprodukten. Aber vielleicht werden sie ja auch von irgendwem oder von irgendwas konsumiert.
Ja, konsumieren ist wirklich eine gute Technik um ungewollten Tätigkeiten in die Eier zu treten.

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Gathering Dust