Es sitzen zwei Männer
auf Barhockern an der hölzernen Hochtheke vor dem Fenster. Sie
rauchen. Zigaretten. Ein weiterer steht und raucht ebenfalls. Sie
schauen abwechselnd auf ihr Mobiltelefon und zum Fenster heraus. Die
romantisierte pseudo-gotische Jugendstilfassade an der Gebäudefront
können sie nicht sehen. Im Hintergrund strengt sich der
Lokalradiosender an, dem Bühnenbild einen partytauglichen Glanz zu
verleihen. Er ist nur mäßig erfolgreich. Die Arbeit übernehmen
dann auch die Neonlampen an der Decke. Hinter der Kasse, man kann
auch mit EC-Karte bezahlen, an der rot gestrichenen Wand, stehen auf
einfachen weißen Regalbrettern ganze Armeen von diversen Spirituosen
Spalier. Ich zähle fünfzehn verschiedene Vodkasorten und denke mir,
dass selbst Dan Aykroyd niemals so viel von dem Zeug saufen könnte -
andererseits könnte es seinen letzten Urlaub auf E.T.'s
beschissenem, 30 oder 3000000 Jahre alten Raumschiff erklären.
Zigaretten gibt es hier übrigens nur aus dem Automaten.
Wir gehen, nachdem wir
von dem überaus freundlichen Besitzer, sein Gesicht ist vernarbt,
zwei Flaschenbiere gekauft haben, an den zahlreichen Spielautomaten
und einem fein gekleideten Herrn vorbei in einen holzgetäfelten
Hinterraum, in dem eine kleine illustre Gesellschaft um einen mit
roter Baumwolltischdecke bedeckten Tisch sitzt. Der Mann hat ein
Jutesäckchen, gleich eines kleinen Kartoffelsacks vor sich liegen in
dem sich, dem Geräusch nach, eine fantastische Menge Geldmünzen
befindet. Er holt Münzen heraus, stapelt sie fein säuberlich zu
kleinen Häufchen vor sich auf und lässt sich dabei nicht stören.
Eine Frau sitzt am oberen Ende des Tisches in der Ecke der Sitzecke
und schaut ihm bei der Tätigkeit zu. Sie wird zwanzig Minuten später
einen Teil des Geldes in einen der Spielautomaten werfen - sie spielt
am liebsten Bingo. Ihre Strategie ist es, die Zahlen Eins bis Zehn
auszuwählen und auf ihr Glück zu hoffen. Heute Abend sucht es sie
anscheinend nicht auf.
Das ganze Geschäft
schwelgt in einer seltsamen Stimmung zwischen Ruhrpottbordell und
mexikanischem Waschsalon. Menschen kommen, Menschen gehen. Zumeist
Männer. Ich bestelle beim Besitzer, er erscheint mir äußerst
feminin, noch zwei Bier und bezahle mit einem Fünfziger. Das kann er
nicht wechseln, sagt er. Er spricht einen der Männer, etwa 35 Jahre
alt, kurze Haare, von bulliger Statur, die vor dem Fenster an der
Hochtheke sitzen an und dieser holt aus seiner Hosentasche ein loses
Bündel Zehner heraus und übergibt fünf davon dem Wirt. Prima,
jetzt habe ich mein Wechselgeld. Ich rufe meinen Begleiter aus dem
Hinterzimmer und wir spielen gemeinsam an einem der Spielautomaten
Roulette. Welch Ironie, ein Spiel das normalerweise in sündhaft teuren Casinos, von sündhaft teuer operierten Menschen
gespielt wird hier zu spielen. Aber es passt. Über dem Automaten ist
ein Wandtattoo angebracht - es zeigt eine Flasche Champagner die feinperlig ihr Innerstes erbricht. Es
passt.
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